Ins Leben gerufen wurde das Village Pioneer Projekt von Olatunji Akomolafe zusammen mit seiner Ehefrau Elvira. Nachfolgend beschreibt Olatunji Akomolafe die Entstehungsgeschichte bis heute:

Mit der Idee des VPP befasste ich mich bereits in meiner Diplomarbeit mit dem Thema "Planning from below, a new concept for rural development", die ich an der Gesamthochschule Kassel, Fachbereich Internationale Agrarwirtschaft in Witzenhausen schrieb. Der Schwerpunkt meiner Arbeit setzte sich mit der Problematik auseinander, wie Entwicklungshilfe von der Basis aus beginnen kann bzw. muss. Über 20 Jahre VPP können meine damaligen Theorien bezeugen.

Ziel des VPP seit Beginn (Nov. 1984)
· Schaffung von Motivations- und Mobilisationsstrategien, um die Landflucht der Jugendlichen zu stoppen.
· Schulung Jugendlicher, durch einfache Methoden zur Selbstversorgung zu gelangen.
· Praktizieren einfacher angepasster Technologien im landwirtschaftlichen und handwerklichen Bereich.
· Verbesserung der Anbau-, Ernte- und Verarbeitungsmethoden der örtlichen Grundnahrungsmittel.
· Nutzbarmachung von Abfällen und Umwandlung in sinnvolle Ressourcen, Z.B. Schweinedung in Gasproduktion, Kaninchendung zur Kompostierung (Biologisches Ressource Recycling)
· Stärkung des kulturellen Bewusstseins der Jugendlichen
· Schutz der Umwelt durch biologische Landwirtschaft, Bewusstmachung der Umweltproblematik durch ökologische Kampagnen.
· Weiterverbreitung der Ideen und Ideale des VPP durch das Kulturzentrum in Akure.

Chronologische Entwicklung des VPP
a) Nach Beendigung des Studiums kehrte ich Ende August 1984 mit einem Container (beladen mit unseren privaten Gütern und einigen einfachen landwirtschaftlichen Geräten und Werkzeugen, die von 3.Welt-Läden und Privatpersonen gespendet wurden) nach Nigeria zurück. Ich begann mit ca. 45 Mädchen und Jungen (alle aus Ajue und Umgebung) die Ajuefarm aufzubauen. Die Jugendlichen wurden von den Dorfältesten ausgewählt und die Gemeinde stellte uns das Land (Ajue -und Kinishofarm) zur Verfügung. Bevor wir Mais, Yam oder Kassava anpflanzen konnten, musste der Boden erst urbar gemacht werden, da er schon lange Zeit brach lag. Rev. Bishop Gbonigi von der Anglikanischen Kirche weihte das Projekt bzw. die Ajuefarm im Januar 1985 offiziell ein. Während dieser Zeit wohnte ich und sechs weitere Hauptverantwortliche in Ondo (ca. 25 km von der Farm entfernt) in Miete, während die Jugendlichen bei ihren Eltern lebten. Für ihre Mitarbeit bekamen sie von uns zu essen, ab und zu Kleidung und Taschengeld.

b) Im Oktober 85 kamen meine Frau Elvira mit unserer Tochter Buki (damals 7 Monate alt) und 4 Praktikanten aus Deutschland ins Projekt. Wir wohnten nach wie vor in Ondo und fuhren mit dem Taxi täglich nach Ajue auf die Farm. Um Fahrgeld und Zeit zu sparen, kauften wir einen Kleinbus. Ebenfalls im Jahre 85 wollten wir unser Lehmhaus in Ajue errichten, aber der Regen setzte früher als erwartet ein und schwemmte uns die luftgetrockneten Lehmziegel weg. Wir konzentrierten uns deshalb zunächst nur auf die Farmarbeit und konnten im Aug. 85 schon eine angemessene Mais- und Yam-Ernte verzeichnen.
Anfangsprobleme: Die Jugendlichen waren nicht konsequent in ihrer Arbeitshaltung. Da uns nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung standen, konnten wir ihnen nicht genügend Essen und Unterkunft bieten. Deshalb waren Ende 85 nur noch 25 Jugendliche übrig.

c) Während der Trockenperiode vom Dez. 85 bis Feb. 86 ruhte die Farmarbeit und wir konzentrierten uns auf die Herstellung von Lehmziegeln für den Bau eines 14-Zimmer-Hauses in Ajue.
Im Oktober 86 zogen wir von Ondo nach Ajue um.
Damals hatten wir weder Strom noch fließendes Wasser. Täglich mussten wir im Umkreis von 25 bis 65 km Wasser besorgen.
Im November 86 besuchte uns eine deutsche Delegation , die mit CARE/CANS unter Rev. Bishop Adegbola zusammenarbeitete und sprach uns Anerkennung und Mut zu. Die Idee und Realisierung des VPP sei der richtige Weg zur Entwicklungshilfe für ein Land wie Nigeria, meinte die Delegation ...

d) 1987 expandierte das VPP im Bereich Landwirtschaft (Erweiterung der Kinishofarm) und Viehzucht (lokale Rassen von Ziegen und Schweinen). Während seines Aufenthalts vom Dezember 1986 bis März 1987 baute Wulf Renfordt, ein Freund von uns, für das Projekt eine Biogasanlage und eine Schmiede mit integriertem Brotbackofen. Im Juni 87 eröffneten wir das VPP Restaurant. Gleichzeitig kehrten die ersten Jugendlichen in ihre Dörfer zurück, mit der Hoffnung etwas Ähnliches wie das VPP zu realisieren. Im November 87 kamen im Rahmen eines Jugendaustausches 10 Jugendliche der VHS Oldenburg ins Projekt und halfen 4 Wochen auf der Farm und in der Werkstatt mit. Elvira war zu dieser Zeit in Deutschland und brachte Anfang November unsere zweite Tochter Ifedayo zur Welt.

e) Nachdem Elvira mit den Kindern im Frühjahr 1988 ins Projekt zurückgekehrt war, fuhr ich mit 8 Pionieren im Rahmen des oben erwähnten Jugendaustausches für 4 Wochen nach Deutschland. Drei Wochen hielten wir uns in Oldenburg und Umgebung auf, arbeiteten in der Metallwerkstatt der VHS mit und besuchten u. a. diverse Bauern. Zum Abschluss unseres Aufenthalts verweilten wir eine Woche bei Familie Kühn (Schwester meiner Frau) in Waiblingen-Neustadt. Bei einem Besuch in der Anstalt Stetten lernten wir die Technik des Flickenteppichwebens kennen, die später in unserem Projekt Anwendung fand. Einschneidend für 1988 war die Bohrung eines Tiefbrunnens. Er wurde im September fertiggestellt und wir nahmen dies zum Anlass das VPP einem breiteren Publikum vorzustellen (Okt. 88 Eröffnungsfest des VPP).
Das Brunnenwasser steht auch der Dorfbevölkerung von Ajue kostenlos zur Verfügung . Jetzt hatten wir unser eigenes Wasser und konnten unsere Schweinezucht vergrößern. Die Ziegenzucht musste aufgegeben werden, da die lokale Wanderrasse in unserem begrenzten Areal krank wurde.
Ebenfalls in diesem Jahr wurde die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert, um die Idee des VPP zu verbreiten. So entstanden Wochenendseminare mit Schülern aus Sekundarschulen von Ondo oder wöchentliche Erwachsenenseminare, in denen man sich theoretisch und praktisch mit Biofarming, Tierhaltung und Recycling auseinander setzte.

f) 1989 wurde der Grundstein für das Kulturzentrum in Akure, der Landeshauptstadt des Ondo-States gelegt. Bis Anf. 89 wurden das Erdgeschoss und die 1. Etage errichtet. Dann mussten wir die Bauarbeiten unterbrechen, da ein schwerer Autounfall unseres Leiters, Mr. Dayo, unsere Finanzen erschöpfte.
Ebenso brachte das Jahr 89 eine schlechte Mais- und Yamernte wegen spät einsetzenden Regens. Selbst mit der Hasenzucht hatten wir kein Glück, da sich eine Pest ausbreitete, die wir nur schwer unter Kontrolle brachten. Ein freudiges Ereignis konnten wir doch noch verbuchen: Unser Sohn Gbenga wurde Ende November in Deutschland geboren.

g) 1990 war das wichtigste Vorhaben die Aufzucht und Pflege von Bäumen und die Kampagne über ökologische Landwirtschaft.
Von Sept. Bis Nov. 90 befasste sich Mr. Otti Kocsis, ein Praktikant aus der Schweiz mit Solarenergie und baute für uns einen Solardörrer und einen Solarkocher.

h) Im Januar 91 wurde das Kulturzentrum in Akure weitergebaut. Das Dach wurde errichtet und die Decke eingezogen. Im April 91 wurde mit dem Bau einer Konzerthalle hinter dem Kulturzentrum begonnen.

i) 1991/92: Ausbildung von Jugendlichen aus 9 Bundesländern Nigerias, aus Nordnigeria und der Grenze zu Kamerun.
Start einer massiven Umweltkampagne: Schutz von Flüssen und Baumpflanzen.

j) 1993-95: Aufbau der Lehrfarm in Iju (Geflügel- und Hasenstall, große Felder, Baumschulen, Ölpalmen).

k) 1996/97: VPP-Networking: Kooperation mit anderen NGO. Darunter Canadian Youth Organisation CYO, Anglican Church of Liverpool, Emerson College England und verschiedene andere NGO in Nigeria.

l) 1998 Bau der ersten Wasserfabrik; 1999 Ausstattung der Bibliothek in Ajue und Ausbau des Gartens.

m) 2001: Veröffentlichung von Büchern für Primary Schools in Südwestnigeria.
2001/02: Erweiterung der Wasser- und Saftproduktion. 2000-2003: Öffentliche Kampagnen: Plakate, Seminare, Workshops in Südwestnigeria, Radiosendungen zu den Themen
--effektive Ressourcennutzung
--angepasste Technologien
--Do-it-yourself
Intensivierung von Naturheilmitteln, Schutz und Erhalt botanischer Gärten.

n) 2004-2006: Bau einer mobilen Biogasanlage.

o) 2005-2006: Aufbau der Naturmedizinklinik, Produktion und Test von Heilkräutern.

p) 2007: Fertigstellung und Eröffnung der Naturmedizinklinik (5 Räume, 8 feste Mitarbeiter). Auftrag zum Bau einer festinstallierten Biogasanlage für das Elektrizitätswerk Akure.

q) 2008: Fortlaufende und regelmäßige Unterstützung von Grund- und Sekundarschulen. Farmschule in Iju wird zu einer Gesamtschule, die Landwirte, Kräuterkundler und Handwerker im landwirtschaftlichen Bereich unterrichtet.
Produktion und Verteilung von Kräutern auch für Mediziner im Ondo- und Ekiti-State.